Vertrauen auf das, was kommt und beherzt Gott folgen

Aktualisiert: 9. Nov 2020

Gott nachfolgen und das eigene Leben ganz in seinen Dienst stellen – dieser Weg ist für jeden Menschen, der gläubig ist, Heimat und Herausforderung zugleich. Selbst wenn man dabei auf eine ganz besondere Weise Gottvertrauen und eine umfassende Liebe zu Gottes Schöpfung erwarten darf – es waren und sind nur wenige Menschen, die sich diesen Weg zutrauen. – Schwester Maria Goretti ist so ein Mensch. Mit 18 Jahren – im Rahmen ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester – entschied sie sich, ins Kloster Sankt Elisabeth

einzutreten.


Schwester Maria Goretti, wie fühlte sich an, als so junger Mensch einen so großen Schritt zu tun?

„Das Leben im Kloster war in unserer Familie von Beginn an präsent“, erzählt Schwester Maria Goretti lächelnd. „Unsere Tante Evangelista war Klosterschwester und Krankenschwester in Neuburg.Wir haben sie oft und gerne in Sankt Elisabeth besucht. So hat das Leben in der klösterlichen Gemeinschaft von Kindheit an dazugehört.“

Als Sofia Walburga Böck ist die heutige Generaloberin am 18. Februar 1940 in Donauwörth geboren und in Asbach-Bäumenheim aufgewachsen. „Wir hatten eine schöne Kindheit“, erinnert sich Schwester Maria Goretti. „An den Krieg kann ich mich bis auf eine Bombardierung nicht erinnern. Unsere Eltern haben uns religiös erzogen, am Sonntag sind wir gemeinsam in die Kirche gegangen. Wir haben ein gutes, bescheidenes Leben geführt.

Nach der Berufsschule war es die Großmutter, die mir empfahl: „Geh doch nach Neuburg, mache eine Stationshilfe.“ – Bei diesem Praktikum entschied ich dann, die Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in Neuburg zu beginnen. In dieser Zeit spielte ich manchmal mit dem Gedanken, auch ins Kloster zu gehen. Aber er war nicht immer präsent. Doch am 19. März 1958 wusste ich: Das ist mein Weg – und trat in den Orden ein.“


Sind denn die klösterlichen Rituale für junge Menschen nicht sehr streng?

„Das habe ich nicht so empfunden. Im Postulat und Noviziat sind wir Schritt für Schritt an das Klosterleben herangeführt worden. Wir haben vor allem viel gesungen und viel Zeit in der Gruppe der Klosteranwärterinnen verbracht – das war sehr schön“, erinnert sich Schwester Maria Goretti. „Die Einkleidung habe ich als großes Fest erlebt – darauf wurden wir mit einer Exerzitienwoche vorbereitet. Gemeinsam mit den Familien der Kandidatinnen wurde ein großer Festgottesdienst und ein gemeinsames Festessen abgehalten.

Danach wurde das klösterliche Leben intensiver – wir waren auch bei den Stundengebeten wie Laudes oder Vesper dabei. Bei der Einkleidung erhielten wir auch – das war für jede von uns eine große Überraschung – den zukünftigen Namen. Heute kann man selbst drei Namen vorschlagen, die für einen selbst besondere Bedeutung haben. Damals erhielt man einen Namen – für mich war das „Maria Goretti“.

Nach einem Jahr feierte ich „Profess“ – dabei legt man vor Gott das Gelübde ab, dass man ihm nachfolgen will – und im Geiste der Heiligen Elisabeth leben möchte. Drei Jahre später – 1963 – konnte ich die „ewige Profess“ begehen, die für die Lebenszeit gilt.


Doch neben dem Ordensleben haben Sie auch einen Beruf ausgeübt?

„Ja, ich habe am 1. April 1958 die Ausbildung zur Kinderkrankenpflegeschwester begonnen und diese nach drei Jahren abgeschlossen. Nach dem Examen 1960 kam das Praktikum und ich begann 1961 als examinierte Kraft in der Neuburger Kinderklinik.“

Schwester Maria Goretti fügt hinzu: „Diese Institution hatte schon in den 60er Jahren einen hervorragenden Ruf; wir haben uns auch schon um Frühchen gekümmert.Von 1967 bis 1976 war ich Stationsleitung auf der Säuglingsstation, der Station 13. Danach wurde mir nahegelegt, mich zur Lehrerin für Krankenpflege weiterbilden zu lassen. An dieses Jahr in Regensburg mit 27 Kolleginnen denke ich sehr gerne zurück. Danach wurde ich in der BFS für Kinderkrankenpflege eingesetzt und unterrichtete in drei Klassen. Außerdem war ich neben dem Unterricht für den Stundenplan und die Examensvorbereitung verantwortlich.

Neben meiner Person haben auch Ärzte und Psychologen am Unterricht mitgewirkt – zum Beispiel Professor Sachtleben, der als Leiter der Kinderklinik auch ein sehr guter Lehrer war. Mit den gesetzlichen Anforderungen an den Pflegeberuf veränderte sich auch die Ausbildung. 1995 bekam ich in der Schule Unterstützung mit einer weiteren Unterrichtsschwester und einer Schulassistentin.“


Das Jahr 2002 war für Sie ein ganz besonderes Jahr – warum?

Im September dieses Jahres wurde ich aus der Schule verabschiedet – und zur Generaloberin für unser Kloster in Neuburg gewählt. In diesem Amt bin ich für das gesamte Kloster zuständig gewesen – und für die gesamte Klinik Sankt Elisabeth. Auch dieser Phase meines Lebens habe ich mich intensiv gewidmet. Ich konnte die Erfahrungen, die ich bislang gesammelt hatte, gut einbringen. Ich war immer bereit, Verantwortung zu übernehmen.“


Sie haben 2013 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten – was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

„Ich weiß schon, dass das damals ziemlich Wellen geschlagen hat“, lächelt Schwester Maria Goretti bescheiden. „Aber für mich zählen vor allem die Begegnungen mit den Menschen, die wir als Gläubige oder als Pflegende auf ihrem Weg begleiten dürfen. So möchte ich neben der Arbeit als Kinderkrankenschwester, als Unterrichtende und als Generaloberin auch die großen Jubiläen in der Gemeinschaft der Elisabethinerinnen nicht missen: Wir stehen in regem Austausch mit anderen Klöstern der Heiligen Elisabeth in ganz Europa und sogar in Kanada. In Graz, in Teschen (Polen), in Klagenfurt, in Wien, in Aachen oder in Straubing: Die Heilige Elisabeth verbindet uns!

Ein besonderes Geschenk war auch der 175. Jahrestag unseres Wirkens in der Krankenpflege für Neuburg, den wir im Jahr 2015 in der Gemeinschaft der Freundinnen und Freunde unseres Klosters feiern durften. Sehr gefreut hat mich, dass die damalige Präsidentin des Bayerischen Landtags, Frau Barbara Stamm, die Laudatio gehalten hat.“


Gibt es ein Motto oder einen Glaubenssatz, der Ihnen ganz besonders wichtig ist?

„Jede unserer Schwestern hat einen Spruch mit auf den Weg bekommen, der ihr Leben begleiten möge. Für mich hat der Psalm 119, Vers 105 eine besondere Bedeutung: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“, erklärtSchwester Maria Goretti. „Danach möchte ich mich mein Leben lang richten.“

Von den 177 Jahren, in denen sich die Elisabethinerinnen der Gesundheitsfürsorge in Neuburg widmeten, ist Schwester Maria Goretti mit 58 Jahren im Dienst am Menschen fast ein Drittel dieser Zeit aktiv gewesen.




Text: Alex Fitzek

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kloster Sankt Elisabeth unterwegs

In unserer klösterlichen Gemeinschaft dienen, leben und wirken wir im Geist unserer Patronin, der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Doch Neuburg ist nicht der einzige Ort, an dem der Geist der Heilige